Die Venus und die drei Seiten der Liebe!

„Die Liebe verbindet das Unvereinbare –das Heilige mit dem Profanen, die Seele mit dem Körper,das Unendliche mit dem Endlichen.“

-A.W. Schlegel

 

Die Liebe ist eines der kraftvollsten Erlebnisse auf der Welt. Sie zeigt sich als die magische Essenz unseres Daseins, die unsere Existenz auf einzigartige und transformative Weise berührt. Sie hat die Kraft, uns auf eine höhere Ebene des Bewusstseins zu heben und uns von persönlichen Ego-Trips zu befreien. Sie kann uns jedoch auch in die rauschenden Wirren von Ekstase, Leidenschaft, Illusionen und nicht selten auch in den Schmerz der Sehnsucht und Ablehnung führen. Die Liebe hat so viele Gesichter und kann sich in allen Arten von Beziehungen auf sehr vielfältige Weise offenbaren. Dabei entzieht sie sich jedem Rahmen der rationalen Vernunft, und es fehlen die Worte, um sie zu begreifen.

In diesem Artikel möchte ich die Liebe durch die Brille der evolutionären Astrologie betrachten und sie aus drei verschiedenen Blickwinkeln des Liebesplaneten Venus untersuchen: der Selbstliebe, der Liebe zu anderen und bedingungsloser Liebe.

 

Das Überleben der Genen und das Fortpflanzungsprinzip.

Das essenzielle Gesicht der Liebe – „Die Liebe zu sich selbst“ – wird durch das Sternzeichen Stier, das 2. Haus und Venus repräsentiert. Dieser Liebesaspekt bildet das Fundament für alle Formen von Liebe. Ohne ihn können wir andere nicht wahrhaftig lieben.

Bevor wir uns dieser Form der Liebe von Venus zuwenden, müssen wir jedoch einen Blick auf die Fortpflanzungstheorie (die auch im Zusammenhang mit Stier, dem 2. Haus und dessen Venus steht) werfen und Einiges klären.

Wir stammen von Primaten ab, nicht von Engeln! Die Liebe, oder genauer gesagt der Zustand des Verliebtseins, den wir jetzt genauer untersuchen werden, steht in erster Linie in engem Zusammenhang mit Biologie und Evolution nicht mit Metaphysik.

Astrologisch gesehen sprechen wir jetzt nicht nur über das Sternzeichen Stier, sondern auch über das gegenüberliegende Sternzeichen Skorpion, das ebenfalls in der Fortpflanzung und Übertragung der Gene eine wichtige Rolle spielt. Die beiden Zeichen bilden ein polarisierendes Duett, das sich herausragend komplementiert.

Das Verliebtsein aus biologischer Sicht ist wie der Tsunami eines biochemischem Cocktails, der berauschender als ein Long Island Iced Tea wirkt und uns an den Rand der geistigen Umnachtung treibt. Wir erklimmen den Mount Everest der Glorifizierung! Die Zentren für kritisches Denken werden ausgeschaltet, um nicht ideale Kandidaten für die Fortpflanzung allzu vorschnell auszusortieren oder nicht die Idee zu entwickeln, dass es etwas Bedeutsameres als Liebe und die Übertragung von Genen gibt.

Also, auf Wiedersehen Vernunft und hallo Besessenheit!

Die US-amerikanische Anthropologin und Ethnologin Dr. Helen Fisher, eine Expertin auf dem Gebiet der Liebe und der Chemie der Leidenschaft, hebt hervor, dass sich bei Verliebtheit die gleichen Gehirnregionen aktivieren, die auch während Kokainkonsum, dem Genuss einer Zigarette oder Glücksspiel aktiv sind. Wir können nie genug von dieser ekstatischen Liebesdroge bekommen, wir sind von der anderen Person besessen und befinden uns in einem Zustand der Mikromanie! Wie die Forscherin betont, ist das Verliebtsein eine Sucht.

Langfristig ist dieser Zustand nicht förderlich für unsere mentale Gesundheit, was einer der Gründe dafür ist, dass das Gefühl des Verliebtseins nach etwa 2 Jahren nachlässt.

Nach diesen Zeit kann unser Gehirn in seinen optimalen Zustand zurückkehren und seine Funktionen normal weiterführen. Es ist anzunehmen, dass die Fortdauer der Verliebtheit sonst eine Bedrohung für unsere Spezies darstellen würde.

Wieso also hat die Evolution dieses aufregende Gefühl auf „Wolke Sieben“ zu schweben, bewahrt?

Verliebtsein erfüllt einen wichtigen Zweck! Es spielt eine entscheidende Rolle in der Evolution als eine bedeutende Komponente der Fortpflanzungsstrategie. Dr. Helen Fischer spricht über drei Gehirnsysteme, die während der Verliebtheit entstehen und unser Fortpflanzungsprogramm steuern. Zuerst entwickelt sich der Sexualtrieb, ein ziemlich primitives und universelles Programm, das wir mit den Tieren teilen und welches dem Fortpflanzungsprogramm der Kaninchen in Australien ähnelt. Plötzlich tauchen wir in den „Seeking & Reward“ Dopamin-Ozean ein, der unser Belohnungssystem stark aktiviert. Wir sind höchst motiviert und bereit, nach einer Vielzahl von Partnern zu suchen, da es im Interesse der Gene liegt, diese möglichst weit zu verbreiten. Falls wir unser „Objekt der Begierde“, nicht bekommen, tritt sogar eine verstärkte Aktivität im Belohnungssystem des Gehirns auf! Bedeutet, die Obsession wird stärker, sollten wir zurückgewiesen werden.

Im Tierreich genügt der Sexualtrieb zur Übertragung der Gene. Es funktioniert gut, da viele Nachkommen nach der Geburt relativ eigenständig sind. Beim Menschen ist dies jedoch anders. Als Babys sind wir völlig hilflos, und unser Überleben hängt von der Fürsorge unserer Eltern ab. Die Anwesenheit beider Eltern erhöht erheblich die Überlebenschancen. Um den Vater davon abzuhalten, die Familie zu verlassen, werden die Gehirnprogramme Nummer zwei und drei aktiviert! Dr. Helen Fischer nennt sie „Romantische Liebe“ und „Bindung von Paaren“. Eines zielt darauf ab, die Energie für die Fortpflanzung auf einen einzigen Partner zu fokussieren, das andere sorgt dafür, dass beide lange genug zusammen bleiben, um ein einzelnes Kind mindestens durch die Säuglingszeit zu begleiten.

Hierbei kommen dem biochemischen Cocktail zwei neue Zutaten hinzu: Die Liebes- bzw. Bindungshormone Oxytocin und Vasopressin, die nicht nur die Paarbindung beeinflussen, sondern auch zum territorialen Verhalten beitragen. Anders ausgedrückt, wenn es erforderlich ist, werden die Eltern alles tun, um den Nachwuchs zu schützen!

Mit steigender Relevanz von Sicherheit, Zuverlässigkeit, Stabilität und Kontinuität betreten Paare die Dimension der Intimität.

Die Deaktivierung unseres analytischen Gehirns erleichtert es uns, uns zu öffnen, Vertrauen aufzubauen und sowohl uns selbst als auch andere anzunehmen. Andernfalls könnte der innere Kritiker uns in einen Strudel von Selbstzweifeln, Angst vor Ablehnung und Perfektionismus ziehen, was uns daran hindert, mit unseren Intimpartnern in die Tiefe zu gehen. Es wäre auch schwieriger, unsere Partner mit all ihren möglichen Schwächen und Schattenseiten zu akzeptieren. In der ersten Phase des Verliebtseins tendieren wir dazu, unsere Partner beinahe göttlich zu überhöhen. Das ändert sich zwar etwa zwei Jahre später. Doch zu Beginn ist es sehr einfach, alle roten Flaggen zu übersehen.

Nach etwa 2-3 Jahren von Rausch und „Wahnsinn“ entscheidet unser Gehirn, die „Verliebtheits-Party“ zu beenden, und unser Verstand erwacht langsam aus dem Koma. Die sexuelle Leidenschaft verblasst so schnell, wie sie zu Beginn entflammte, und kehrt in dieser Intensität meinst nie wieder zurück, es sei denn wir setzen z.B. die Tipps der Psychotherapeutin und Autorin Esther Perel gründlich in die Praxis um.

Wenn die „Dinge nicht mehr so sind wie am Anfang“ bedeutet dies für viele Vertreter der romantischen Liebe oft irgendwann das Ende der Beziehung. Zunehmende Konflikte in der Partnerschaft schaffen einen „Blank Space“ für einen neuen Liebhaber, und wenn sie ihn dann finden, singen sie zusammen mit Taylor Swift: „Nice to meet you, where you been?“ Das Spiel beginnt also mit wechselnden Protagonisten immer wieder von vorne. Etwa alle drei Jahre… und mindestens so lange, wie man noch etwas auf dem Liebesmarkt anzubieten hat.

 

Die erste Seite der „Venus-Liebe“: Mit der Selbstliebe fügt sich alles andere an den richtigen Platz!

Die Venus im Stier ist nicht nur den biologischen Trieben der Fortpflanzung unterworfen! Hier gibt es etwas wesentlich Wichtigeres zu entdecken, nämlich die Selbstliebe.

Selbstliebe ist eine Form der Selbstfürsorge! Wenn wir unser Selbst nicht lieben können, neigen wir dazu, unsere wahren Bedürfnisse zu ignorieren oder uns diesen gar nicht erst bewußt zu sein. Es entsteht ein diffuses Gefühl des Mangels und der Unzufriedenheit. Wir werden „bedürftig“ und unsere Entscheidungen und Handlungen motivieren sich zunehmend daraus einer inneren Leere zu entfliehen. Oft glauben wir, dass, wenn wir nur den richtigen Partner treffen, sich alles in unserem Leben zum Positiven verändern wird. Das führt jedoch meist dazu, dass wir paradoxerweise einen Partner anziehen, der zu unserer Verzweiflung passt und nicht zu unserem wahren Selbst. Wenn wir all unseren unerfüllten Bedürfnisse nun auf ihn projizieren, ist eine Katastrophe quasi vorprogrammiert.

Erst die Selbstliebe schafft also einen gesunden Raum für liebevolle, bereichernde und befreite Beziehungen zu anderen Menschen.

 

„Wir können andere lieben, weil wir sie lieben, nicht weil wir sie brauchen.“

-Ulrich Böld

 

Liebe ist ein Akt des Gebens, nicht des Nehmens. Es ist allerdings schwer, etwas zu geben, was man selbst nicht hat. Wenn man keine Liebe für sich hat, kann man auch andere nicht wahrhaftig lieben und wertschätzen. In unseren Köpfen existieren keine getrennten Vorstellungen darüber, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.

Selbstliebe ist also auch ein Akt der Selbsterkenntnis. Wir erkennen, wer wir sind, was wir brauchen und welcher Partner zu uns passt. Wenn wir uns selbst lieben, verschwenden wir keine Zeit mit toxischen Partnerschaften.

Selbstliebe legt den Grundstein für jede Beziehung, die wir eingehen. Fehlt es an Selbstliebe, riskieren wir, verschiedene verzerrte, co-abhängige Formen der „Liebe“ zu erleben, die von Bedürftigkeit und Erwartungen geprägt sind.

Oftmals wurden wir dazu erzogen, uns an gesellschaftlichen Normen und kulturelle Konventionen zu orientieren, die nicht unbedingt einen einfühlsamen, liebevollen und wertschätzenden Bezug zu uns selbst fördern. In vielen Gesellschaften besteht ein kontinuierlicher Widerspruch zwischen der persönlichen Identität und den kulturellen Skripten.

Unsere moderne westliche Kultur, geprägt von einem starken Streben nach Erfolg und Leistungsorientierung, erzeugt eine beträchtliche Kluft zwischen unserer tatsächlichen Identität und dem, was wir glauben, sein zu müssen. So werden wir zu Spiegelungen von Konzepten, die uns aufgezwungen wurden.

Bei fehlender Selbstliebe bleiben die Bedürfnisse unseres Herzens ungehört. Beispielsweise bleiben unsere Bedürfnisse nach Entspannung und Ruhe unerkannt, da die Vorstellung, unsere Energie in berufliche Ziele, alle noch ausstehenden Aufgaben oder intensives Training für einen perfekten Körper zu investieren, im Mittelpunkt steht. Wir misshandeln uns und erhoffen, dass durch das Befolgen äußerer Höchststandards und des kulturellen Diskurses Erfüllung finden werden. Doch kein von außen erreichbares Nonplusultra hat die Fähigkeit, uns langfristig zu befriedigen. Dies erzeugt eher Frustration und Unruhe, was egoistische Verlangen nach sofortiger Besserung hervorruft. Das ungestillte Bedürfnis nach Entspannung wird am Ende des Tages auf eine verzehrte Art durch Alkohol oder Fastfood befriedigt. Wir haben viele solcher Mechanismen; jeder hat andere, abhängig von den evolutionären Tendenzen und Mustern, die wir in uns tragen: Zum Beispiel ersetzen wir Nähe durch oberflächlichen Sex; Erfolg, Geld und Macht kompensiert kurzfristig mangelnden Selbstwert; Soziale Medien dienen oft als Ersatz für echte zwischenmenschliche Beziehungen und verstärken langfristig sogar die Einsamkeit.

Die Psychologin und Sex-Coach Niedźwiecka sagt: „Um sich mit dem Ego besser zu fühlen, reicht es aus, einen Slalom vom Gletscher zu fahren, oder gegebenenfalls das Aussehen zu verbessern. Um sich vom Herzen her besser zu fühlen, muss man sich anerkennen und lieben.“

Sich selbst anerkennen und lieben bedeutet, die eigenen wahren Bedürfnisse zu sehen, zu respektieren und sie zu erfüllen. Es bedeutet auch, unseren eigenen Wert anhand innerer Werte zu definieren, nicht durch äußere Ideen, Konzepten und sozialen Vergleich. Es wird immer jemanden geben, der mehr hat, etwas besser kann und erfolgreicher ist, und so werden wir in einen Diskurs gezogen, der auf Mangel basiert. Das Gefühl des eigenen Wertes entspringt dem Recht zu leben, nicht unseren Errungenschaften, die wir sonst immer als unzureichend empfinden werden.

Wenn du noch mehr zum Thema Selbstliebe erfahren möchtest, kannst du gerne meinen Blogartikel dazu lesen.

Du hast auch die Möglichkeit, eine individuelle Selbstliebe-Deutung bei mir zu buchen. Du gewinnst Einblicke in deine Stärken und Talente, die dir dabei helfen werden, ein erfülltes Leben zu gestalten und wie du Selbstliebe kultivieren kannst.

 

Die zweite Seite der Venus Liebe: Beziehungen als Spiegel zur Selbsterkenntnis

Das 7. Haus, welches dem Sternzeichen Waage zugeordnet ist und auch von Venus beherrscht wird, repräsentiert „die Liebe zum Anderen.“ So wie Selbstliebe ein nach innen gerichteter Akt der Selbsterkenntnis ist, reflektieren zwischenmenschliche Beziehungen das Selbst wie ein äußerer Spiegel. 

Die Interaktion mit anderen eröffnet uns die Möglichkeit, uns selbst besser kennenzulernen. Dabei geht es nicht allein um intellektuelle Analyse und Erkenntnis, sondern vielmehr spielen auch unsere Emotionen eine entscheidende Rolle.

Bevor die Menschheit die Sprache entwickelte, war es entscheidend, dass wir miteinander kommunizieren konnten, indem wir die Gefühle und Stimmungen unserer Mitmenschen auf einfache Weise verstanden. Die Emotionen und Gefühle dienten nicht nur zum Aufbau von Beziehungen sondern hatten auch eine weitere bedeutende Funktion. In der Frühgeschichte der Menschheit ermöglichte uns die Fähigkeit, innerhalb kurzer Zeit gemeinsame Gefühle wie Furcht und Kampfbereitschaft zu empfinden, eine effiziente kollektive Reaktion auf potenzielle Bedrohungen. Im Verlauf der Evolution wurden zwischenmenschliche Emotionen deswegen äußerst ansteckend und erzeugten virale Effekte.

Die Dynamik in zwischenmenschlichen Beziehungen wird oft von emotionalen Mechanismen beeinflusst, die tiefer liegen, als wir zunächst wahrnehmen.

Der evolutionäre Astrologe, Ulrich Böld sagt: „Es entstehen mehr Streits in intimen Beziehungen als bei Dinnerpartys!“

und erklärt, dass Beziehungen nicht dazu gedacht sind, das ganze Leben lang Händchen zu halten, sondern sie ermöglichen uns eine Evolution des Bewusstseins zu erleben.

Wenn sich der Vorhang der Glorifizierung hebt, entfaltet sich wahre Intimität. Unser Partner ist derjenige, der uns am besten kennt, und deshalb gibt es niemand anderen, der uns auf dieselbe Weise konfrontiert.Es gibt keinen wirksameren Spiegel, um die Selbstkenntnis zu vertiefen und persönliches Wachstum zu fördern.

Wenn beide Partner sich dazu entschließen, ihr Leben miteinander zu teilen, sich gegenseitig zu stärken, füreinander zu sorgen, zu verstehen und zu unterstützen, entsteht eine beidseitige Verpflichtung und Engagement für gemeinsames Wachstum.

Es erfordert von beiden Partnern, über ihre instinktiven Reaktionen und biologischen Funktionen hinauszugehen, um die eigene Gewohnheiten in bewusste Entscheidungen und Handlungen zu transformieren. So bewegen sich die beide Partner auf ein höheres Bewusstseinsniveau zu. Das bedeutet, dass wir uns von egoistischen Wünschen wie „Ich will, dass du dich so verhältst“ lösen und stattdessen darauf abzielen, unserem Partner das Beste zu wünschen.

Je bewusster, selbstreflektierter und authentischer beide Partner sind, und je mehr sie darauf ausgerichtet sind, zu geben anstatt zu nehmen, desto intensiver erleben sie die Liebe in ihrer reinen Form.

Die wahre Liebe bedeutet eine erhöhte Bewusstheit und widersetzt sich dem Zustand des Verliebtseins, der in einer Illusionen verweilt. Wirkliche Liebe bedeutet Geben und Teilen und im Gegenzug nichts dafür zu verlangen, während das Verliebtsein nach Begehren strebt, Erwartungen hegt und für sich beanspruchen möchte. Die Liebe steht für Gleichmut und Frieden, das Verliebsein für Unsicherheit, Erregung und Unruhe. Liebe kann in ihrer Kraft auch sanft und subtil sein, während die Natur des Verliebtseins intensiv und zwanghaft ist. Verliebtsein explodiert und vergeht genauso schnell, wie es entstanden ist. Im Gegensatz dazu benötigt Liebe Zeit, entwickelt sich langsam und kann für immer bleiben. Bei der Liebe geht es um Mitfreude und Mitgefühl, während sich das Verliebtsein leicht mit Eifersucht, Zorn und Selbstsucht mischt. Der Zweck des Verliebtseins liegt in der Fortpflanzung, während die Liebe auf ein höheres Bewusstsein abzielt.

Liebe und Verliebtsein können sich sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander in unserem Leben manifestieren.

Wahrend sich das Gefühl der Verliebtheit auf einer sehr persönlichen Ebene zeigt, ist die Liebe jenseits unseres begrenzenden Ego-Rahmens zu finden.

Unser Ego, das, was wir als unser individuelles Selbst empfinden, wird durch die Ansammlung von Gewohnheiten, Neigungen und im Laufe der Zeit erworbenen Tendenzen geformt. Diese Elemente beeinflussen nicht nur unsere Selbstwahrnehmung, sondern auch die Art und Weise, wie wir die Realität interpretieren. Das Ego kann als eine Art selbstgeschriebene Software betrachtet werden, die auf den Arten von Gedanken, Emotionen und Handlungen basiert, die wir im Verlauf unseres Lebens getroffen oder erlebt haben. Aufgrund dieser programmatischen Grundlage neigen bestimmte Gedächtnisinhalte dazu, sich in unserer Gegenwart auf zyklische und gewohnheitsmäßige Weise abzuspielen.

In dem Moment, in dem die Liebe in unser Leben tritt, brechen wir aus diesen gewohnten Bahnen aus. Die wahre Liebe nimmt uns im gegenwärtigen Moment vollständig ein, wo eine Kraft der Lebendigkeit selbst weit über das hinausgeht, was wir als Person sind.

Manchmal verleiht uns auch die Intensität des Verliebtseins den erforderlichen evolutionären Schub, um unsere Ego-Wände zu durchbrechen. So kann natürlich auch aus der Verliebtheit Liebe entstehen.

Schon in unserer frühen Kindheit entwickeln wir starke Ego-Schutzmechanismen, Reaktionsmuster und Abwehrskripte, um uns vor überwältigenden psychischen Belastungen zu schützen. Laut der Bindungstheorie von John Bowlby, einem renommierten britischen Psychiater und Psychoanalytiker, wirkt die Art und Weise, wie die Mutter oder der Betreuer in unserer frühen Kindheit auf unsere Bedürfnisse einging, als Matrix, aus der wir später schöpfen, um unsere weiteren Beziehungen zu wichtigen Personen, einschließlich des Partners oder der Partnerin, zu gestalten. Dysfunktionale Bindungsmuster werden später gewissermaßen zu einer unbewußten Blaupause für unsere Beziehungen und Interaktionen im Erwachsenenalter.

Intime Beziehungen eröffnen uns die Möglichkeit, überflüssige Skripte und Schutzmechanismen zu transformieren. Diese waren zwar damals notwendig und „überlebenswichtig“ heute blockieren sie jedoch meist unser Wachstum. Die Transformation erfordert jedoch viel Selbstreflexion, Mut und Akzeptanz. Dieser Prozess kann uns so stark verändern, dass wir eventuell entdecken, dass wir mit unseren Partner nicht mehr viel gemeinsam haben und beschließen, getrennte Wege zu gehen. Auch wenn der Partner nicht für das gesamte Leben bestimmt war, war er dennoch wichtig und richtig für einen bestimmten Abschnitt unseres Lebens.

Unser „moderne Lebensstil“ begünstigt nicht unbedingt die Kultivierung von persönlichen Beziehungen. Der Niedergang traditioneller Institutionen wie Familie, Gemeinschaft und Religion sowie die ständigen Veränderungen der Lebensumfelder führen zu einem zunehmenden Gefühl der Isolation und Einsamkeit. Auch die Konzentration auf Arbeit, Konsum und individuelle Ambitionen lassen oft wenig Raum für tiefe Beziehungen. Dies führt oft dazu, dass wir intime Beziehungen als Heilmittel für die eigene Einsamkeit betrachten, was dazu führt, dass unsere Beziehungen zwangsläufig unter der Last überhöhter Erwartungen leiden und im Grunde ein breites soziales Netzwerk ersetzen sollen.

Wir sind alle miteinander in verschiedenen Arten von Beziehungen verflochten: Intimpartnerschaften, Eltern-Kind-Beziehungen, Geschwisterbeziehungen, Freundschaften, berufliche Beziehungen, Lehrer-Schüler-Beziehungen usw. Manche bereichern und inspirieren uns, andere fordern uns zum Lernen heraus. Nur in sehr wenigen Fällen verlieben wir uns, aber in allen Arten von Beziehungen entsteht, in Momenten voller Präsenz jenseits unseres Egos, die Möglichkeit, sich auf einer überpersönlichen Ebene bedingungsloser Liebe zu begegnen.

Die Evolutionäre Astrologie erkundet die Facetten der zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie gibt uns Klarheit über evolutionäre Tendenzen und Muster und was für eine Art von „Beziehungsmatrix“ in uns ruht.

 

Dritte Seite der Venus Liebe: Pretty Women, 7 Zwerge und „Die Leiden des jungen Werther“ 

Die Liebe der Venus in ihrer dritten Erscheinung zeigt sich durch eine höhere Oktave, die sie zum Neptun bildet. Neptun als Herrscher der Fische und des 12. Hauses, symbolisiert einerseits die reinste Form der Liebe, die bedingungslose Liebe, aber auch unsere Illusionen und Ideale.

Die kulturellen Ideale, Mythen und Märchen über die romantische Liebe verschleiern und verzerren oft unsere Realität und hindern uns daran zu sehen, was in Beziehungen wirklich gegenwärtig ist. Wie gefährlich eine falsche Vorstellung von Liebe sein kann, zeigt sich in einem tragischen historischen Ereignis, das sich nach der Veröffentlichung von J.W. Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ ereignete. So brach in ganz Europa eine Selbstmordwelle aus, was Goethe in der Einleitung zur zweiten Auflage dazu bewegte, die Menschen darum zu bitten, das Leben von der Literatur zu trennen. Auch wenn wir uns dieses Buch heutzutage wohl nicht mehr so intensiv zu Herzen nehmen würden, erliegen wir weiterhin den Verführungen romantischer Mythen, die uns z.B. die Hollywood-Pop-Kultur vorhält. Viele glauben, ultimatives Glück erst erfahren zu können, wenn Frau Volltreffer oder Herr Traumprinz die Szene betreten und sich so ihr Leben vermeintlich für immer verändert.

Den perfekten Hollywood-Match-Partner gibt es nicht. Vielmehr ist es oft so, dass diejenigen Menschen unbewußt gegenseitig anziehen, deren jeweiligen „Verzerrungen“ zueinander passen. Um unsere Projektionen und Illusionen über die „perfekte“ romantische Beziehung aufrecht zu erhalten, lassen wir uns nur allzu gerne täuschen.

In Zeiten von Tinder lässt uns das Paradox der Wahl immer mit einem Stück Unzufriedenheit und mit einer Hoffnung zurück ein „noch perfekterer“ Partner wäre nur einen weiteren Swipe entfernt.

Unsere Idealvorstellungen sind ebenfalls nicht frei von Diskursen über Geschlechterrollen, von den klischeehaften Vorgaben à la „der Mann muss das, die Frau soll das…“. In unserer Kultur lastet weiterhin erheblicher Druck auf Frauen und Männer hinsichtlich ihrer Rollen, was erhebliche Auswirkungen auf die Beziehungen hat.

Wenn wir uns zu sehr nach dem sehnen, was war oder wie es sein sollte – nach unseren Idealvorstellungen von unserem Partner und unserer Beziehung –, befinden wir uns in der Zukunft oder Vergangenheit. Die Liebe hingegen entspringt der Ausrichtung auf den gegenwärtigen Moment und kann nur gedeihen, wenn wir im Einklang mit dem „Hier und Jetzt“ sind.

 

Dritte Seite der Venus Liebe: Die höchste Art von Liebe, die bedingungslose Liebe

Ulrich Böld erklärt in seinem Buch „Evolutionäre Astrologie: Praktisches Hand- und Lehrbuch der Astrologie“ unsere Existenz anhand einer sehr schönen Metapher über die Welle, die an der Oberfläche des Ozeans rollt.Er führt aus, dass wir unser Leben durch zwei Dimensionen betrachten können:

  1. Das Rollen und Umwandeln der Welle an der Oberfläche des Ozeans entspricht einer horizontalen Dimension des „Werdens“, die sich zwischen Vergangenheit und Zukunft erstreckt und die Evolution unserer Seele durch viele Leben hindurch symbolisiert.
  2. Die Einheit der Welle mit dem Ozean kann man als vertikale Dimension des „Seins“ im gegenwärtigen Moment sehen, in der wir über das Persönliche hinausgehen und eine erhöhte Bewusstheit erleben, in der bedingungslose, allumfassende Liebe erfahren werden kann.

Die Horizontalität bezieht sich auf die Welt der Veränderung und Wechselhaftigkeit des Lebens, in der ein evolutionärer Drang entsteht, etwas zu werden, zu erreichen, zu erwerben und zu unterhalten. Da diese Dimension durch Dualität, Gewinn / Verlustund Kompromissen, geprägt ist, kann hier eine vollständige Erfüllung nie dauerhaft erreicht werden. Wenn man beispielsweise eine Beziehung gewinnt, verliert man dabei einen Teil seiner eigenen Freiheit. Ausserdem hat jede Beziehung mit anderen zwangsläufig auch irgendwann ein Ende.

Eine Vollkommenheit ist nur in der vertikalen Dimension zu erfahren, da diese keine Gegensätze kennt. Hier gibt es nichts zu erreichen; weil man bereits vollständig ist, eins mit dem Ozean, der alles umfasst. Weil man alles in sich hat, ist man nicht von irgendwelchen Leistungen, Erfolgen, Verlangen oder einer konkreten Befriedigung abhängig. Hier identifizieren wir uns nicht mehr mit unserer eigenen Person, unserem eigenen Ego, sondern gehen über das Persönliche hinaus und erkennen die tiefere Essenz dessen, wer wir sind. Wir erkennen, dass wir Bewusstsein sind.

Krishnamurti sagt in einem Gespräch mit Oliver Hunkin, dass Liebe nicht Ehrgeiz, Verlangen, Sex oder Eifersucht ist, denn diese Phänomene können nur in Beziehungen durch Gegensätze existieren. Wir könnten sagen, es gibt jedoch einen Gegenpol zur Liebe, und dieser heißt Hass. Doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass Hass nicht als direkter Gegensatz zur Liebe zu verstehen ist, sondern eher als eine verfremdete, erstarrte Erscheinungsform der Liebe. Krishnamurti legt dar, dass ein Geist, der in sich selbst gespalten ist, in Fragmenten lebt, wo eine Trennung zwischen dir und mir existiert, keine Liebe kennt. Wenn wir mit eigenen Ambitionen, Verlangen, Ängsten, Schuldgefühlen und Leiden beschäftigt sind, haben wir keine Fähigkeit zu lieben.

Die Anerkennung der Einheit mit dem Ozean und das Erleben bedingungsloser Liebe erfordern vollkommene Aufmerksamkeit, das absolutes Präsent sein.

Um dies zu erreichen, brauchen wir einen Abstand zum intellektuellen Geplapper unseres Verstandes. Unser Intellekt ist ein Meister im Erzählen von Geschichten, die jedoch nie vollständig mit dem übereinstimmen, was „wirklich“ ist. Unser Intellekt agiert wie eine Mustererkennungsmaschine, die darauf programmiert ist, Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit zu ziehen, um das Verständnis des gegenwärtigen Moments zu erleichtern und Handlungspläne für die Zukunft zu entwickeln. Er spuckt automatisch verschiedene intellektuelle Fäden aus, die ihren Ursprung in der Vergangenheit haben, und vergleicht sie mit dem, was wir im gegenwärtigen Moment erleben, um schnell zu erraten, wie wir uns verhalten sollten. Dieser Mechanismus ist äußerst neurotisch, da unsere Evolution diejenigen bevorzugt hat, die jedes Mal hinter dem Geräusch im Gras einen Raubtier befürchtet haben, anstatt diejenigen, die versucht haben, die Realität in ihrer Wahrheit zu erkennen und zu verstehen, also dass das Geräusch auch von einem Vogel oder Wind verursacht worden sein könnte. Unsere Wahrnehmung ist sozusagen verschleiert durch Erfahrungen und Erinnerungen aus der Vergangenheit sowie Ängsten und Verlangen in der Zukunft. Grundsätzlich hat unser Intellekt keinen direkten Zugang zur gegenwärtigen Realität, zum aktuellen Moment; er ist irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen. Für praktische Anleitungen zu diesem Thema empfehle ich das Buch „Die kleine Stimme im Kopf“ von Mo Gawdat, welches hervorragend zeigt, wie man die eigenen Gedanken zur Stille bringen kann. Ebenso bietet das Buch von Katie Byron mit dem Titel „The Work“ tiefere Einsichten in das Thema.

Außer den Übungen, wie man ein Meister seiner eigenen Gedanken wird und nicht umgekehrt, gibt es zusätzlich viele andere Wege, um die Stille im Kopf zu erleben. Ob in der Meditation, in Trancezuständen, während Gebetsmomenten, beim Musik hören, in der Natur, beim Betrachten von fließendem Wasser und Wolken am Himmel oder nach Yoga-Übungen, wenn man sich im Savasana vertieft. Die Stille im Kopf und totale Präsenz sind auch in Momenten erhöhter Erregung zu erreichen, wenn die Energie harmonisch durch uns fließt, wie in Flow-Zuständen kreativer Selbstverwirklichung, beim Tanzen oder während sexueller Vereinigung. Also, wenn wir ganz eins mit dem sind, was wir tun. Einige Menschen nutzen dafür auch einen Adrenalinkick! Sie stürzen sich am Gummiseil in die Tiefe oder reiten auf Riesenwellen, um sich im Hier und Jetzt zu verlieren und dabei wiederzufinden.

Je geschickter wir zwischen den beiden Dimensionen wechseln können, und je häufiger wir versuchen, unsere Gegenwart jenseits unserer Gedankenmuster und Emotionen wahrzunehmen, desto öfter und leichter können wir auch unserem Gegenüber auf einer überpersönlichen Ebene begegnen. Es bedeutet, dass wir uns nicht als individuelle Personen treffen, sondern eine Verbindung jenseits des persönlichen „Ich“ herstellen. Es ist die Erkenntnis der Einheit des Bewusstseins! Liebe ist die manifestierte Energie in allem, daher ist sie sogar in den Masaru Emoto Wasserkristallen zu sehen. Es ist ein Rhythmus von Frieden, Glück, Wonne und Freude, den wir in uns und um uns herum erkennen.

Die Kunst der wahre Liebe besteht also darin, sich mit voller Aufmerksamkeit im anderen und im allem zu erkennen. Eins zu Sein! 😊

Neuste Blogartikel

Mein Angebot für dich

Die Astrologischen Deutungen

Mit einer evolutionären astrologischen Deutung gewinnst Du Klarheit über Dein Dir innewohnendes Potential, Deine seelischen Anliegen und karmischen Dynamiken.

Evolutionäre Deutung

Eine komplette Evolutionäre Interpretation deines Geburtshoroskops und individuelle Fragen

Prognose

Ein Ausblick auf Deine „evolutionäre Wetterlage“ für die kommende Monate.

Thematische Deutung

Deutung eines Themen- oder Lebensbereichs der Dich gerade bewegt und interessiert.

Astrologische Beratung

Evolutionäre Deutung

Bitte sende mir Deine Daten über das Formular. Ich melde mich schnellstmöglich bei Dir zurück, damit wir einen Termin für die Deutung vereinbaren können.